Das Vierteljahr der Gärtnerin

Streiflichter aus unserer Wochenmarkt-Gärtnerei

Liebe verehrte Leserschaft,

in den ersten drei Monaten des Jahres spielen sich in unserer Gärtnerei 3 verschiedene Arbeitsphasen ab:

Im Januar ist der Pflanzenbau eines Gartenbaubetriebes in der Ruhephase. Es sei denn, wir wären in einem Großbetrieb in dem im Januar z. B. auf einer Fläche von 3000, 5000 oder gar 10 000 qm Gurken gepflanzt werden. Diese Gewächshäuser sind technisch auf dem neuesten Stand. D. h. automatische Heizung, Bewässerung, Belichtung. Ja, Sie lesen richtig. Diesen Januar-Gurken reicht das Licht in den ersten zwei Monaten des Jahres nicht aus. Sie bekommen durch besondere Vegetationsbelichtung ihr Zusatzlicht. 

Aber bleiben wir in der Gärtnerei Gairing. Das Gärtnerei-Personal arbeitet im 1. Monat des Jahres in beschränktem Umfang, weil eben noch wenig am Wachsen ist. 

Ja, Ackersalat muss geerntet werden, Kresse, unser schnellstes Produkt in den Wintermonaten, muss ausgesät und geerntet werden. Und bei mildem Wetter wird gegossen. Samenzusendungen werden kontrolliert, geordnet und aufgeräumt nach Aussaatterminen. Die Anzuchterden treffen ein. Sie müssen frostfrei gelagert werden, sonst gibt es im Februar bei Kulturbeginn ein böses Erwachen. Mit bockelhart gefrorener Aussaat- und Pflanzerde kann die beste Gärtnerin nicht arbeiten.

Kresse in Aussaatkisten

Ab Mitte Februar sieht die Sache in der Gärtnerei schon lebhafter aus. Auch in den unbeheizten Gewächshäusern tut sich was, weil sich bei sonnigem Wetter die Gewächshäuser, egal ob Glas oder Folie, tagsüber richtig aufheizen. Nachts wird es dann natürlich recht kalt, weil die Außentemperatur auch mal unter 10° minus fallen kann. Deshalb sind in unseren Kulturhäusern lauter Pflanzenarten, die bei Minustemperaturen nicht erfrieren. Das sind: Ackersalat, Spinat, Rote Bete-Blätter für die Mischsalate, Winter-Portulak oder feine Mangoldblätter. Aber auch Petersilie.

Spinat in Reihen
Glatte Petersilie

In der letzten Februarwoche ist die Obergärtnerin im Betrieb besonders glücklich. Es kommen die Kräuter-Jungpflanzen aus dem Heiligen Land. Also aus Israel. Schöne gedrungene, gesunde, gut bewurzelte, vorsichtig transportierte,  bewurzelte Stecklingspflanzen. Z. B. Rosmarin, verschiedene Blatt-Thymiane, besondere Salbeiarten und auch noch einige Kräuterarten, die besonders um das Mittelmeer herum beheimatet sind. Alle diese Pflanzen kommen bei uns dann im beheizten Gewächshaus auf Pflanztische und man sieht, dass jetzt Ende Februar und in den März hinein das ulmer Frühlingslicht diese Pflänzchen flott wachsen lässt. Wir wissen jetzt nicht, sind diese Pflänzchen von ihrer Herkunft Israel her Asiaten, halbe Europäer oder Afrikaner. Kann uns egal sein. Sie fühlen sich bei uns im Donautal pudelwohl und legen richtig los. 

Strauchbasilikum, Zitronenverbene, Ananassalbei, Orangenthymian, …
Rosmarin, Zitronenthymian

Zu gleicher Zeit werden auf anderen Tischen die Saatkräuter in Töpfen ausgesät. Das sind dann richtig originale Ulmer Gewächse. Z. B. der erste Satz Basilikum oder Sauerampfer. Der gewöhnliche Thymian oder Salbei. Aber auch Borretsch, Koriander, Kerbel und viele andere samenvermehrte Kräuterarten. 

Vorbereitungen zur Kräuteraussaat

Überwinterte Kräuter, wie z.B. Minze oder französischer Estragon, werden durch Stecklinge oder Teilung selbst vermehrt.

Frisch geteilte Minzepflanzen 

Jetzt zeigen unsere Gärtnerinnen was in ihnen steckt. Kaum die Kräuter eingepflanzt oder ausgesät, muss auf den Grundbeeten in den anderen Gewächshäusern nach maschineller Vorarbeit weiteres ausgesät werden: Frühjahrsspinat, verschiedene Saatpflanzen für unsere Mischsalate. Oder sog. Asiasalate und Mangold. Aber auch der erste Dill und Kerbel. Jetzt nicht mehr in Töpfen, sondern mit der Reihensämaschine aufs Grundbeet. 

Nebenher läuft seit Woche 7  die Anzucht von Tomaten, Salat-Gurken, Vespergurken, Paprika, Peperoni. Auberginen, Zucchini, Stangenbohnen, und vieles mehr. Aber auch einige neue Arten und Sorten. Jedes Jahr werden 3 bis 5 „Neulinge“ ausprobiert. Wenn man Arten, Sorten und verschiedene Gattungen zusammenzählt, schreiben unsere Frauen vom Fach über 100 bis fast 200  verschiedene Etiketten für die Saatkistchen oder die Töpfe, in die die Samen direkt gesät werden. Die Dunkelkeimer werden liebevoll etwas abgedeckt. Die Lichtkeimer werden nur etwas angedrückt. Alles muss dann sorgsam angegossen werden. Pflatschregen könnten die jungen Keimlinge gleich am Anfang ihres Lebens zunichte machen.

Tomaten- (links) und Gurkensämlinge 

Jetzt ist die Gärtnerschaft im Element und merkt fast gar nicht mehr, dass wir in den März hin-eintauchen.

Plötzlich sind mehr gartenbauliche Kräfte in der Gärtnerei am Werkeln. Das sieht man zunächst an viel mehr Fahrzeugen, die im Betrieb ihren Abstellplatz finden müssen. Ja, ein zwei Fahrräder sind auch dabei. Viele Helferinnen legen jetzt im März überall Hand an, wo sie gebraucht werden:

Beim Ernten, beim Eintopfen, beim Umräumen. Die Jungpflanzen brauchen jetzt mehr Platz. Sie kommen in kühlere Gewächshäuser. 

Ruccula
…und Asia-Salate (Blattsenf) bereit für die Ernte

Mini-Viola, die im Herbst getopft wurden stehen bereit, um die Gärtnerei zu verschönern:

Kurz vor dem Umräumen ins Freiland

Bei gutem Wetter, wenn der Boden schon abgetrocknet ist, werden die ersten Freilandbeete hergerichtet. Auch im Freien wird jetzt Spinat, Mangold, vielleicht Petersilie oder die ersten Saatkräuter fürs Freie gesät. 

Und es werden die schönen Forsythien- und Palmkätzchenzweige geschnitten:

Der Senior sucht fast verzweifelt ein paar Streifenbeete für die Blühwiesen, die er anlegen soll. Ist doch schon im Oktober ein Samenpacket für sage und schreibe 450,00 Euro eingetroffen. Lauter Blühpflanzen in 6 verschiedenen Sorten. 

Ach ja, Ende März müssen viele Kräuterpflänzchen gestutzt werden. Aber auch Ackersalat-Würfel müssen frisch aufgestellt werden. Was es mit der Kulturart Ackersalat zu tun hat, erfährt die liebe Leserin oder der geneigte Leser im Oktober bis November-Bericht. Also im letzten „Vierteljahr der Gärtnerin“.

Ackersalatwürfel auf Kulturtischen

Jetzt, im dritten Monat des ersten Vierteljahres, nimmt im Verkauf auch der Umfang der Handelsware zu. Die Chefin kann auf langjährige Zusammenarbeit mit guten regionalen Lieferanten zählen. Nichts wird dem Zufall überlassen.

In den Wintermonaten hat man im Betrieb die technischen Anlagen und den Fuhrpark auf Vordermann gebracht. Die elektronischen Waagen, die ja eigentlich zugleich auch Rechner sind, müssen hundertprozentig ihre Arbeit verrichten. Am Verkaufsanhänger muss die Elektrik ihren vollen Dienst tun. Die Beleuchtung, die ausklappbaren Teile, einfach alles, muss für jeden der drei Verkaufstage in der Woche seinen Dienst tun. Wenn der Verkaufswagen ausfallen würde, wäre an diesem Verkaufstag der Standplatz der Gärtnerei Gairing auf dem Ulmer Wochenmarkt leer.

Wochenmarkt 1977 (noch ohne Verkaufsanhänger ; ) 

So, jetzt hat die liebe Leserschaft einen kleinen Einblick in das Treiben der Wochenmarkt-Gärtnerei Gairing erhalten.

Freuen  können Sie sich jetzt schon auf das zweite  „Vierteljahr der Gärtnerin“. 

Unter anderem nehmen wir dann einmal das Spargelangebot, die Rhabarberernte und auch das Problemkräutlein Basilikum, zu deutsch – das Königskraut –  näher unter die Lupe. 

Seniorgärtnermeister JDG