Streiflichter aus unserer Wochenmarkt-Gärtnerei
von Seniorgärtnermeister JDG
Das erste Quartal
Liebe verehrte Leserschaft,
in den ersten drei Monaten des Jahres spielen sich in unserer Gärtnerei 3 verschiedene Arbeitsphasen ab:
Im Januar ist der Pflanzenbau eines Gartenbaubetriebes in der Ruhephase. Es sei denn, wir wären in einem Großbetrieb in dem im Januar z. B. auf einer Fläche von 3000, 5000 oder gar 10 000 qm Gurken gepflanzt werden. Diese Gewächshäuser sind technisch auf dem neuesten Stand. D. h. automatische Heizung, Bewässerung, Belichtung. Ja, Sie lesen richtig. Diesen Januar-Gurken reicht das Licht in den ersten zwei Monaten des Jahres nicht aus. Sie bekommen durch besondere Vegetationsbelichtung ihr Zusatzlicht.
Aber bleiben wir in der Gärtnerei Gairing. Das Gärtnerei-Personal arbeitet im 1. Monat des Jahres in beschränktem Umfang, weil eben noch wenig am Wachsen ist.
Ja, Ackersalat muss geerntet werden, Kresse, unser schnellstes Produkt in den Wintermonaten, muss ausgesät und geerntet werden. Und bei mildem Wetter wird gegossen. Samenzusendungen werden kontrolliert, geordnet und aufgeräumt nach Aussaatterminen. Die Anzuchterden treffen ein. Sie müssen frostfrei gelagert werden, sonst gibt es im Februar bei Kulturbeginn ein böses Erwachen. Mit bockelhart gefrorener Aussaat- und Pflanzerde kann die beste Gärtnerin nicht arbeiten.

Ab Mitte Februar sieht die Sache in der Gärtnerei schon lebhafter aus. Auch in den unbeheizten Gewächshäusern tut sich was, weil sich bei sonnigem Wetter die Gewächshäuser, egal ob Glas oder Folie, tagsüber richtig aufheizen. Nachts wird es dann natürlich recht kalt, weil die Außentemperatur auch mal unter 10° minus fallen kann. Deshalb sind in unseren Kulturhäusern lauter Pflanzenarten, die bei Minustemperaturen nicht erfrieren. Das sind: Ackersalat, Spinat, Rote Bete-Blätter für die Mischsalate, Winter-Portulak oder feine Mangoldblätter. Aber auch Petersilie.


In der letzten Februarwoche ist die Obergärtnerin im Betrieb besonders glücklich. Es kommen die Kräuter-Jungpflanzen aus dem Heiligen Land. Also aus Israel. Schöne gedrungene, gesunde, gut bewurzelte, vorsichtig transportierte, bewurzelte Stecklingspflanzen. Z. B. Rosmarin, verschiedene Blatt-Thymiane, besondere Salbeiarten und auch noch einige Kräuterarten, die besonders um das Mittelmeer herum beheimatet sind. Alle diese Pflanzen kommen bei uns dann im beheizten Gewächshaus auf Pflanztische und man sieht, dass jetzt Ende Februar und in den März hinein das ulmer Frühlingslicht diese Pflänzchen flott wachsen lässt. Wir wissen jetzt nicht, sind diese Pflänzchen von ihrer Herkunft Israel her Asiaten, halbe Europäer oder Afrikaner. Kann uns egal sein. Sie fühlen sich bei uns im Donautal pudelwohl und legen richtig los.


Zu gleicher Zeit werden auf anderen Tischen die Saatkräuter in Töpfen ausgesät. Das sind dann richtig originale Ulmer Gewächse. Z. B. der erste Satz Basilikum oder Sauerampfer. Der gewöhnliche Thymian oder Salbei. Aber auch Borretsch, Koriander, Kerbel und viele andere samenvermehrte Kräuterarten.


Überwinterte Kräuter, wie z.B. Minze oder französischer Estragon, werden durch Stecklinge oder Teilung selbst vermehrt.

Frisch geteilte Minzepflanzen
Jetzt zeigen unsere Gärtnerinnen was in ihnen steckt. Kaum die Kräuter eingepflanzt oder ausgesät, muss auf den Grundbeeten in den anderen Gewächshäusern nach maschineller Vorarbeit weiteres ausgesät werden: Frühjahrsspinat, verschiedene Saatpflanzen für unsere Mischsalate. Oder sog. Asiasalate und Mangold. Aber auch der erste Dill und Kerbel. Jetzt nicht mehr in Töpfen, sondern mit der Reihensämaschine aufs Grundbeet.
Nebenher läuft seit Woche 7 die Anzucht von Tomaten, Salat-Gurken, Vespergurken, Paprika, Peperoni. Auberginen, Zucchini, Stangenbohnen, und vieles mehr. Aber auch einige neue Arten und Sorten. Jedes Jahr werden 3 bis 5 „Neulinge“ ausprobiert. Wenn man Arten, Sorten und verschiedene Gattungen zusammenzählt, schreiben unsere Frauen vom Fach über 100 bis fast 200 verschiedene Etiketten für die Saatkistchen oder die Töpfe, in die die Samen direkt gesät werden. Die Dunkelkeimer werden liebevoll etwas abgedeckt. Die Lichtkeimer werden nur etwas angedrückt. Alles muss dann sorgsam angegossen werden. Pflatschregen könnten die jungen Keimlinge gleich am Anfang ihres Lebens zunichte machen.


Jetzt ist die Gärtnerschaft im Element und merkt fast gar nicht mehr, dass wir in den März hin-eintauchen.
Plötzlich sind mehr gartenbauliche Kräfte in der Gärtnerei am Werkeln. Das sieht man zunächst an viel mehr Fahrzeugen, die im Betrieb ihren Abstellplatz finden müssen. Ja, ein zwei Fahrräder sind auch dabei. Viele Helferinnen legen jetzt im März überall Hand an, wo sie gebraucht werden:
Beim Ernten, beim Eintopfen, beim Umräumen. Die Jungpflanzen brauchen jetzt mehr Platz. Sie kommen in kühlere Gewächshäuser.


Mini-Viola, die im Herbst getopft wurden stehen bereit, um die Gärtnerei zu verschönern:


Bei gutem Wetter, wenn der Boden schon abgetrocknet ist, werden die ersten Freilandbeete hergerichtet. Auch im Freien wird jetzt Spinat, Mangold, vielleicht Petersilie oder die ersten Saatkräuter fürs Freie gesät.
Und es werden die schönen Forsythien- und Palmkätzchenzweige geschnitten:


Der Senior sucht fast verzweifelt ein paar Streifenbeete für die Blühwiesen, die er anlegen soll. Ist doch schon im Oktober ein Samenpacket für sage und schreibe 450,00 Euro eingetroffen. Lauter Blühpflanzen in 6 verschiedenen Sorten.
Ach ja, Ende März müssen viele Kräuterpflänzchen gestutzt werden. Aber auch Ackersalat-Würfel müssen frisch aufgestellt werden. Was es mit der Kulturart Ackersalat zu tun hat, erfährt die liebe Leserin oder der geneigte Leser im Oktober bis November-Bericht. Also im letzten „Vierteljahr der Gärtnerin“.

Ackersalatwürfel auf Kulturtischen
Jetzt, im dritten Monat des ersten Vierteljahres, nimmt im Verkauf auch der Umfang der Handelsware zu. Die Chefin kann auf langjährige Zusammenarbeit mit guten regionalen Lieferanten zählen. Nichts wird dem Zufall überlassen.
In den Wintermonaten hat man im Betrieb die technischen Anlagen und den Fuhrpark auf Vordermann gebracht. Die elektronischen Waagen, die ja eigentlich zugleich auch Rechner sind, müssen hundertprozentig ihre Arbeit verrichten. Am Verkaufsanhänger muss die Elektrik ihren vollen Dienst tun. Die Beleuchtung, die ausklappbaren Teile, einfach alles, muss für jeden der drei Verkaufstage in der Woche seinen Dienst tun. Wenn der Verkaufswagen ausfallen würde, wäre an diesem Verkaufstag der Standplatz der Gärtnerei Gairing auf dem Ulmer Wochenmarkt leer.


So, jetzt hat die liebe Leserschaft einen kleinen Einblick in das Treiben der Wochenmarkt-Gärtnerei Gairing erhalten.
Freuen können Sie sich jetzt schon auf das zweite „Vierteljahr der Gärtnerin“.
Unter anderem nehmen wir dann einmal das Spargelangebot, die Rhabarberernte und auch das Problemkräutlein Basilikum, zu deutsch – das Königskraut – näher unter die Lupe.
Das zweite Quartal
Liebe verehrte Leserschaft,
im April hat nun das „Zweite Vierteljahr der Gärtnerin“ in der Gärtnerei Gairing begonnen. Bevor wir aber einsteigen in all das Tun und Werkeln in einer Verkaufsgärtnerei, möchte ich Ihnen ein paar Besonderheiten der Gärtnerei Gairing erzählen:
Als der Urgroßvater ca. 1904 dieses Grundstück an der früheren Ehingerstraße im Donautal kaufte, hatte er sich für diesen großen Acker aus folgenden Gründen entschieden.

Es war eine Südhanglage; zwar war der untere Teil der Gärtnerei ziemlich eben (das Grundstück reichte bis in etwa der Mitte der heutigen vierspurigen B 311), aber die nördliche Hälfte des Geländes war und ist heute noch ein ziemlich steiler Südhang. Das brachte vor fast 120 Jahren den Vorteil, dass der Uropa im Frühjahr etwa 5 bis 10 Tage eher den Markt beliefern konnte, als etwa die große Konkurrenz aus Söflingen oder der übrigen Ulmer Gärtner. Vom Kuhberg her hatte das Grundstück, und hat auch heute noch, Zugang zu eigenem Wasser. Eine moderne Wasserversorgungsanlage versorgt die gesamte Gärtnerei bis heute mit „eigenem“ Wasser.
Hundert Meter von der Gärtnerei entfernt war der Bahnhof Ulm-Donautal. Hatte der Urgroßvater viel Ware nach Ulm zu transportieren, nutzte er diesen nahen Haltepunkt der königl. württembg. Staatsbahn. Aber meistens waren die gärtnerischen Ernteprodukte nicht allzu schwer. Der sparsame Gartenmeister Gustav Schmalzigaug brachte die Ware mit seiner Muskelkraft und die seiner Helfer mit dem Stangen- oder Handwagen in die Ulmer Kammachergasse, wo das Wohn- und Geschäftshaus bis 1944 gestanden hatte. Und von der Kammachergasse waren es mittwochs und samstags nur noch ein paar Meter auf den Ulmer Münsterplatz. Der Urgroßvater hatte wohl seinen Stand ganz in der Nähe des Brauttores.
Von zwei der aufgeführten Punkten aus dem vorigen Jahrhundert zehren die Gärtnerfamilie und ihre Mitarbeiter auch heute noch: vom Wasser und von der Hanglage. Die Südhanglage bringt auch heute noch einige Vorteile, aber nur derjenige, welcher dort auch arbeiten darf, weiß wovon man spricht: fast den ganzen Tag ‚bergauf‘-‚bergab‘! Vor dem Anbau Materialien hochtransportieren, später dann das Erntegut abtransportieren. In ein paar Gewächshäusern muß jedes Töpfchen durch einen steilen Abgang reingefahren werden und nachher wieder raus transportiert werden. Das ist eine besondere Herausforderung für alle Mitarbeiter der Gärtnerei Gairing. Natürlich stärkt dieses Arbeiten auch sämtliche Muskeln, die Lunge und regt besonders den Kreislauf an. (Daran hatte der Uropa damals noch gar nicht gedacht!) Unseres Wissens ist diese Gärtnerei noch der einzige Betrieb, der sich als „Berggärtnerei“ bezeichnen kann. Und wenn Sie ein bißchen eine Ahnung vom Arbeiten der Bergbauern im Allgäu haben, können Sie sich in etwa vorstellen, wie bei uns im Donautal gutes, gesundes, ansehnliches und frisches Gemüse und Salate produziert werden.
Betriebwirtschaftler können es manchmal nicht verstehen, dass eine Gärtnerei, die unter diesen erschwerenden Produktionsbedingungen arbeitet, heute noch existieren kann. Aber der Schlüssel zum Erfolg sind zum großen Teil Sie, liebe Leserschaft, die mit zunehmender Freude und Lust in so einer Gärtnerei einkauft.
Bevor aber eingekauft werden kann, muß Ware her. Das geht im Gartenbau ziemlich langsam. Die Pflänzchen werden ausgesät oder ein Spezialbetrieb hat die Aussaaten vorgenommen und liefert die Jungpflanzen oder die Halbfertigware aus.

Bei uns wird das Fruchtgemüse zu 90 % selbst ausgesät. Und vieles von diesem Sortiment hat jetzt ab April seinen Endstandplatz in den Gewächshäusern gefunden. Das sind z.B. die Tomaten, die in mehreren Sätzen angebaut werden und das sind die Vesper- und Salatgurken, deren Beete schon hergerichtet sind. Anfang Mai finden die verschiedenen Paprika- und Pepperoni-Sorten ihren Endstandplatz und auch die Auberginen und die Stangenbohnen.
Natürlich wird auch das Salatsortiment nicht vernachlässigt: Schnittsalat, Asiasalate, der das ganze Jahr geliebte Ackersalat und die „Salatherzen“ aus dem Freilandanbau werden laufend ausgesät, gepflanzt oder aufgestellt. Die aufmerksame Leserin und der Leser werden sich fragen: aufgestellt?“

Ja, viele Salatarten werden in der Gärtnerei Gairing auf die vorhandenen Kulturtische aufgestellt. Da die Gärtnerei vor ca. 10 Jahren im späten Frühjahr noch eine Beet- und Balkongärtnerei war, hatte man damals teure Bewässerungstische eingebaut. Um diese Tische auch heute noch nutzen zu können, haben sich unsere Gärtnerinnen besondere Kulturverfahren einfallen lassen, damit man auch auf „Balkonblumen-Tischen“ gute Vespergurken, sauberen Ackersalat, schnelle Kresse oder wohlschmeckende Kräuter produzieren kann.

Gerade bei Kräutern haben sich die Gärtnerinnen und weitere Mitarbeiterinnen äußerst gut eingearbeitet. Was sich nicht durch Samen kultivieren lässt, wird durch Stecklinge vermehrt. Was zu lange zu werden droht, wird gestutzt. Was wärmeliebend ist, darf in den Warmhäusern bis Ende Mai bleiben. Was kühl vertragen kann, wird rechtzeitig in unbeheizte kühle Gewächshäuser rangiert. Was abgehärtet werden muß, bekommt einen Standplatz im Freiland.
Anfang Mai kommt eine Hauptkultur des Frühjahrs zur Ernte und das bis zum Sommeranfang: Das sind die rotstieligen Rhabarberstangen (Sorte: ‚Holsteiner Blut‘), die an unserer Südhanglage und mit Hilfe unserer Bewässerungsanlage besonders gut wachsen.
Jetzt, Ende April, sind schon einige Blühstreifen hergerichtet und ausgesät worden. Die Gärtnerinnen versuchen, das gesamte Freiland sinnvoll zu nutzen und vor allem den Boden gesund zu erhalten, wie es seit über 100 Jahren die Gärtner der Gärtnerei Gairing vor ihnen gemacht haben.

Im Mai verschwinden die letzten Winter- und Vorfrühlingskulturen aus den Gewächshäusern. In den heißen Sommermonaten dürfen sich außer dem Fruchtgemüse auch noch Melonen im warmen Gewächshausklima räkeln. Der Mai ist aber auch noch ein wichtiger Pflanzmonat für das Freilandsortiment: Nach den Eisheiligen kommen die Zucchini in den Boden. Die Sommerbohnen werden ausgesät und wenn im Mai eine weitere Gärtnerin ihre Arbeit wieder aufnimmt (ihre Elternzeit ist rum), gibt es voraussichtlich wieder ein eigen produziertes S S S = Sommer-Salat-Sortiment.
Bei aller Freude am Gedeihen und Wachsen vergißt unsere Leiterin der Kulturen den Pflanzenschutz nicht. Den wohlbekannten Spruch: „hier wird nicht gespritzt!“ kann man bei sorgsamer gartenbaulicher Betrachtungsweise einfach nicht so stehen lassen. Was wäre in Coronazeiten die Aussage: „hier wird nicht gespritzt“! Unvorstellbar. Es muß gesagt werden: professioneller Pflanzenbau braucht sorgfältigen, abgewogenen, umweltbewußten und verantwortungsbewußten Pflanzenschutz.
Unsere Gärtnerinnen sind gut geschult! Sowohl im Pflanzenschutz, als auch im Thema Düngung: es werden in den Sommermonaten eine Vielzahl von unterschiedlichen Nützlingen ausgebracht. Die Gärtnerinnen werden beraten von unabhängigen Pfanzenschutzfachleuten, und unsere Chefin gibt jedes Jahr einen Haufen Geld aus, um Bodenproben von jedem Gewächshaus und von jeder Freilandparzelle auswerten zu lassen, um eine bedarfsgerechte und auf jede Kultur angepasste Düngung durchzuführen.
So – das wars, das zweite Vierteljahr der Gärtnerin. Freuen Sie sich auf die Produkte aus der Gärtnerei Gairing, die trotz Corona, trotz nassem März, trotz mordskaltem und trockenen April mit viel Herzblut in der Gärtnerei Gairing herangezogen werden.
Das dritte Quartal
Liebe verehrte Leserschaft,
im April hatte er uns nach nahezu 50-jähriger Tätigkeit im Betrieb verlassen. Einer unserer fleißigsten, robustesten Mitarbeiter. Kaum Fehlzeiten, immer da, wenn man ihn brauchte, verrichtete er seine Arbeiten so gut er es irgend konnte. Ja, die letzten Jahre hatte er angefangen zu rauchen, hat dabei auch noch, man will es kaum sagen, gestunken. Aber wenn man halt älter wird, bekommen auch die langjährigsten Mitstreiter in der Gärtnerei ihre besonderen Macken. Ich kann Ihnen selbstverständlich auch den Namen dieses Mitstreiters nennen: er hieß -Holder AG 3-. Er war ein naher Verwandter vom Holder-Traktor A 45. Sie können nichts mit diesen Namen anfangen? Insider bekommen bei diesen Angaben glänzende Augen. Solche alten Schmalspurtraktoren sind geradezu Leckerbissen für Freunde alter Schlepper im Weinbau, Obstbau oder im Gartenbau. Aber was fangen die Gärtnerinnen in der Gärtnerei an mit einem Motorgerät, das zu qualmen beginnt? An dieser oder jener Stelle tropft und wenn halt doch einmal eine Reparatur angestanden ist, musste man fast verzweifelt die erforderlichen Ersatzteile zusammen suchen.
Jetzt haben die Gärtnerinnen einen rassigen Italiener. Feuerrot, ausgestattet mit allen Raffinessen, die der Traktorenbau bieten kann. Und mit einem recht schönen Namen: „Antonio Carraro“ heißt er und darf jetzt schon kräftig mithelfen in der Gärtnerei. Wobei ? – so gar soviel gibt es für die Maschinen zur Zeit im Gärtnereibetrieb gar nicht zu tun. Jetzt in der Haupterntezeit ist sehr viel Handarbeit angesagt.
Montags geht es jede Woche richtig los. Zunächst mit der Ernte von Tomaten. Eiförmige Exemplare, normale runde, Fleischtomaten, Mini-Tomaten, in gelb, rot oder orange. Dattel-Tomaten und auch Flaschen-Tomaten wandern von den Tomatenpflanzen in die Ernteeimer und von da in die Kisten für den Wochenmarkt. Trauben- oder Rispentomaten ernten die Gärtnerinnen und ihre Helfer allerdings nicht. Vielleicht weil sie wissen, dass keiner der Käufer die grünen Stiele der Rispe mitisst, den Stiel also gar nicht braucht. Die Gärtnerinnen ernten also Tomate für Tomate reif von der Pflanze und sie als Kunde merken das auch am Geschmack, weil der Transportweg zu Ihnen kurz ist und keine der Tomaten noch im Kistchen nachreifen muss.
Nach der Tomatenernte gehen die Gärtnerinnen an die Gurkenernte. Da kommen dann die Salatgurken dran. Später die Vespergurken und die Landgurken. Ein anderes Ernte-Team macht dann noch die Essiggurken, die am Marktstand auch als Fingergurken verkauft werden und sich unter anderem zum Frischverzehr eignen.
Im August kommt dann vermehrt noch die Paprika-Ernte dazu. Weil der schöne rote große Blockpaprika außerordentlich viel Nachtwärme zum Reifen braucht, die wir in Ulm nicht unbedingt haben, pflanzten die Gärtnerinnen im Frühjahr eine ungarische Sorte mit schönen, eher kleinen hellgelben Blockfrüchten. Natürlich wurde auch Spitzpaprika in gelb, rot und orange in die Gewächshäuser gesetzt und dann gibt’s da noch den dunkelvioletten Blockpaprika mit einer milden Note im Geschmack. Nicht zu vergessen unsere super schmeckenden Zuckermelonen!
Wenn der Montag als Erntetag nicht ausreicht, nehmen die Gärtnerinnen auch noch den Dienstag als weiteren Erntetag dazu. Warten doch Auberginen, in weiß, in lila oder gestreift, auf ihre Ernte.
Aber auch Stangenbohnen, Buschbohnen, Salat in 5 verschiedenen Sorten und Zucchini warten auf die Erntekolonne. Beim Ernten der Zucchini-Blüten sieht man die Produktionsleiterin meist selbst.
Sind die Erntearbeiten weitgehend abgeschlossen, wird es den Gärtnerinnen nicht langweilig. Jetzt sind dann verschiedene Kulturarbeiten an der Reihe: Melonen-Triebe müssen gestutzt werden. Gurkenpflanzen werden zum Teil von unten her entblättert. Aber auch die Tomatenpflanzen warten auf Entblätterung der unteren Blattmasse bis etwa auf Kniehöhe.
Mitte der Arbeitswoche müssen dann abgeerntete Salatbeete umgefräst werden. Der neue rote Italiener, also der Antonio Carraro, ist jedenfalls nicht ganz arbeitslos. Geschickt rangieren die Gärtnerinnen den temperamentvollen Mitarbeiter zu den Salatbeeten. Anschließend kommt oft sofort eine Neuanpflanzung dieser Gartenstücke. Schnell ist der Sommer rum und ein Auspflanzen kommt für den Salat nach der 33. Woche nicht mehr in Frage. Weil die Gärtnerinnen wissen: auch im Spätherbst freuen sich die Kunden auf einen großen gesunden und schönen Kopfsalat. Doch dieser würde im Ulmer Freiland nicht mehr fertig.
Natürlich sind jetzt im Hochsommer nicht alle Mitarbeiter im Betrieb tätig. Nach und nach machen die Leute aus der Gärtnerei ihren Urlaub. Natürlich nicht 5 Wochen am Stück. So was lässt die Tätigkeit in der besten Wachstumszeit nicht zu. Aber so 14 Tage sind doch für jeden drin. Stimmt nicht ganz: die Chefin ist eigentlich die ganze Erntezeit über im Betrieb. Sie ist natürlich besonders gefordert, weil die guten Sachen aus der Gärtnerei Woche für Woche umgehend und möglichst schnell verkauft werden müssen.
Aber bei aller Freude am Ernten – natürlich macht man sich auch Sorgen über die tägliche Wetterlage. Starkregen schwemmt besonders in einer Gärtnerei am Hang den Kulturboden herab. Auch mit Hagel und Sturm machten die Leute in der Gärtnerei in den letzten 125 Jahren ihres Bestehens schon mehrmals grausige Bekanntschaft. Aber – toi, toi, toi, dieses Jahr sind bis jetzt die Schäden überschaubar. Zwar ist der Boden im Freiland bockelhart geworden, in zwei, drei Gewächshäusern hat Schmutzwasser vom Hang her hereingedrückt und eine sturmgeschädigte Lüftungsklappe mußte repariert werden.
Aber solche Beeinträchtigungen können bis jetzt den Arbeitseifer und den Frohsinn beim Schaffen nicht beeinträchtigen.
Seien Sie gegrüßt und auf ein Wiedersehen im Spätherbst – dem vierten Vierteljahr der Gärtnerin.
Das vierte Quartal
Liebe Leserschaft,
nach den vielfältigen Frühjahrsarbeiten und den zum Teil anstrengenden Pflege- und Ernte-arbeiten im Sommer, haben die Gärtnerinnen in der Gärtnerei Gairing kurz innegehalten und darüber nachgedacht, dass es im Herbst wohl ein wenig entspannter werden könnte.
Aber – Ausräumarbeiten, Bodenbearbeitungsarbeiten und Vorbereitungen für die fast fünf monatige Winterszeit halten die Betriebsangehörigen in Atem.
Seit über 40 Jahren wird in der Gärtnerei Gairing der Kulturboden in den Gewächshäusern alle zwei Jahre im Herbst gedämpft. Manche Mitmenschen haben davon schon etwas gehört, andere werden hellhörig: was gedämpft? Jawohl, die Bodendämpfung ist ein physikalisches Verfahren des vorbeugenden Pflanzenschutzes. Bei diesem Verfahren wird heißer Wasserdampf in den Boden eingeleitet, um im Boden lebende schädliche Mikroorganismen und Samen von Wildkräutern oder Schnecken und deren Eier durch Hitze abzutöten. Diese Bodenbehandlung ist zeitaufwendig und kostenintensiv. Das Verfahren ist in biologischer Hinsicht eine Teilentkeimung. Wichtige hitzebeständige, sporenbildende Bakterien beleben nach der Abkühlung wieder den Boden. Bodenermüdung wird durch die Freisetzung von blockierten Nährstoffen begegnet. Dämpfen führt nachweislich zu einer besseren Startposition und schnellerem Wachstum der Pflanzen, wobei deren Widerstandsfähigkeit gegenüber Krankheiten und Schädlingen gestärkt ist. Die Anwendung von Heißdampf gilt heute sowohl bei den Praktikern als auch bei den Forschern übereinstimmend als das beste und wirksamste Mittel zur Hygienisierung von Böden, Anzuchterden und von Komposten.
Bis vor drei Jahren wurden die Dämpfarbeiten mit einem eigenen „Dämpfer“ gemacht. Als dieser nun nach 30 Jahren seinen Geist aufgegeben hat, haben die Gärtnerinnen dieses Jahr beschlossen, mit einem Mietgerät zu arbeiten. Das hört sich super an, aber drei Wochen lang mußten jetzt im Frühherbst die Gärtnerinnen auf die Dämpfapparatur mit ihrem ganzen technischen Gerät warten, weil halt vor dem Wintereinbruch viele dämpfwillige Betriebe ein Mietgerät bestellt haben.
Aber – außer warten kann man noch vieles andere in einer Herbstgärtnerei machen: die Ausräumarbeiten fortsetzen, die Gewächshaustische akkurat säubern, die Glasflächen an den Gewächshäusern innen und außen durch abspritzen reinigen, Aussaaten von unempfindlichen „Winter-Salaten“ wie Winterpostelein, Asia-Salate, …………. vornehmen. Wichtige ausdauernde Kräuter im Topf werden zurückgeschnitten. Die Blumenbeete vor den Gewächshäusern werden abgeschnitten und dann wollte man noch vor allem im Herbst den riesigen Komposthaufen umsetzen, wenn nur die richtigen Räder des nagelneuen Schmalspurtraktors schon geliefert worden wären. Ja – auch in der Gärtnerei spürt man die Lieferschwierigkeiten, nicht nur in der Chips-Industrie, im Modehandel, bei den Waschmaschinen, Fahrrädern oder Laptops. Um Ihnen nicht noch weiter Angst zu machen, höre ich mit der Aufzählung jetzt lieber auf und wir konzentrieren uns auf die weiteren Arbeiten der Gärtnerinnen in den Wochen vor Weihnachten:
Also – der Dämpfer läuft. Über 100 qm, also 1 ar kann dieser Mietdämpfer auf einmal sterilisieren. Die verantwortliche Gärtnerin im Betrieb ist geschult, und gekonnt prüft sie nach zweidrittel der Dämpfzeit die erforderliche Bodentemperatur von 85 ° C. Nach der Dämpfung kann sofort mit dem Anbau auf dieser Fläche begonnen werden. Da werdendann Ackersalatjungpflanzen aufgestellt oder die „Aussaat“-Gärtnerin sät Spinat, Koriander oder Mangold und Rote-Bete-Blätter. Haben wir dann Ende Oktober und Anfang November ein paar sonnige Tage, so erwärmt sich die Luft im Gewächshaus genügend und es kommt zur schnellen und sicheren Keimung. Die Jungpflänzchen wachsen bis Mitte November noch einigermaßen flott. Wohlgemerkt, in den ungeheizten Kulturhäusern. Den Ackersalat können dann die Helfer im Betrieb bis vor Weihnachten ernten. Spinaternte ? Vielleicht oder vielleicht auch nicht. Auf jeden Fall wachsen diese jungen Winterkulturen ab Mitte Februar flott weiter. Denn dann haben wir wieder genügend Licht für ein rasches Spätwinter-Wachstum.
Und jetzt noch ein paar Sätze zur wichtigsten Salatkultur im Herbst und Winter in der Gärtnerei Gairing – dem Ackersalat, oder Nüssli-Salot, wie die Schweizer sagen. Oder Vogerlsalat, so sagen die Tiroler . Oder Sunnewirbeli sagen die Badener und die Hochdeutschen sagen Feldsalat. Schon an der Namensgebung merkt man, der Ackersalat war bei unseren Vorfahren einer der wichtigsten Vitaminbringer im kalten Winterhalbjahr. Ur-Ur-Großmutter hatte nicht die Möglichkeit, das fast überbordende Grünangebot aus Südeuropa zu Weihnachten oder im Januar und Februar zu nutzen. Da hieß es für die Kinder, sucht mal auf dem Acker das frostharte Salatgrün, wenn‘s nicht gerade bockelhart gefroren war.
Um am Verkaufstand der Gärtnerei Gairing im Winter ein gleichmäßig starkes Angebot an Ackersalat bieten zu können, liefert eine Jungpflanzengärtnerei aus der Region jede Woche entsprechende Ackersalatjungpflanzenkisten an. Jede Woche werden je nach Platzbedarf diese Jungpflänzchen auf Gewächshaustischen oder auf dem gedämpften Grundbeet in den Gewächshäusern aufgestellt. Aus Erfahrung können die Gärtnerinnen in der Gärtnerei Gairing den Erntezeitpunkt auf die Woche genau voraussagen. Wachstumsschwankungen gibt es natürlich auch im Winter. Aber der Feldsalat kann auch mal etwas kleiner oder etwas größer geerntet werden. Freiland-Ackersalat bauen wir seit vielen Jahren nicht mehr an – zu abhängig ist man von der Witterung: wenn 10 cm Schnee auf den wertvollen Blättchen liegen oder es die Temperatur wochenlang nicht über die Frostgrenze schafft, könnten wir märktelang keinen Ackersalat anbieten, da er nicht geerntet werden kann. Doch dadurch, dass wir einen Teil in den ungeheizten Gewächshäusern anbauen, kommen wir den Freilandgegebenheiten sehr nah.
Die Dezembertage sind bis kurz vor Weihnachten noch sehr umtriebig in der Gärtnerei. Die Handelsware nimmt naturgemäß zu. Sie muss sorgfältig aufbereitet werden und die Gärtnerinnen strengen sich noch einmal gewaltig an, dass jede Kundin und natürlich auch jeder Kunde sein Gemüse und den Salat und dieses Obst bekommt, welches er einkaufen will oder gar schon bestellt hat.
Bei all diesen Anstrengungen und der Konzentriertheit brauchen dann die Gärtnerinnen ein paar Wochen Auszeit. Alle habe diese dann nach Weihnachten – zum Ende des Dritten Vierteljahres der Gärtnerinnen -mehr als verdient.
